| Europameisterschaften für Showgruppen und Formationen 2010 |
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Europameisterschaften für Showgruppen und Formationen
06. - 08. Mai 2010 - Nantes (Frankreich)
Von den Show-Wettbewerben der EM berichtet Pamela Hoßfeld
Vom 06. bis 08. Mai 2010 fanden die Europameisterschaften für Showgruppen und Formationen in Nantes/Frankreich statt.
Bereits im Vorfeld hatten die Organisatoren von den Teilnehmern unzählige Informationen abverlangt, so dass man glauben durfte, ein organisatorisches Meisterstück vorfinden zu können. So musste nicht nur jeder Läufer, Betreuer, Trainer und Mitfahrer mit sämtlichen Personalien, Ausweisnummer und Ähnlichem angemeldet werden, sondern es mussten noch sämtliche Musikstücke benannt werden und vieles mehr.
Wie sich allerdings herausstellte, war das dann abhängig von den jeweiligen Parkplatzwächtern, die je nach Laune behaupteten es sei kein Platz mehr vorhanden, oder als Kleinbus dürfte man da gar nicht parken (komisch, dass da aber auch normale PKW standen, die sich laut Aussage, aber nachts einfach da hingeschlichen haben). So kam man sich manchmal doch ziemlich veräppelt vor, vor allem wenn man am Wettkampftag noch die nervige Parkplatzsuche bewerkstelligen musste. Wie die offizielle Homepage der EM schon vermuten ließ, gab es viel Tamtam um völlig unwichtige Sachen und die wirklich wichtigen Dinge waren nur schwer bis gar nicht zu finden. So wurde auch erst kurz vor der Anreise eine vor vielen Wochen zusätzlich gemietete Trainingszeit bestätigt. Der Preis: Pro Stunde 100 €. Das war bisher die teuerste Zeit. Üblich waren bisher 60 bis 70 €.
Dass über die wichtigen Dinge nicht alle informiert waren, zeigte sich dann auch bei der Registrierung. Am Donnerstag in der Halle angekommen stellte sich die Frage, wo sich das Büro der CEPA befindet. Mit diesem Begriff konnte jedoch keiner etwas anfangen, so wirklich Englisch verstand offensichtlich auch niemand. Es ist schon sehr merkwürdig, dass keiner etwas mit dem Namen der federführenden Organisation anfangen konnte. Zudem kann man bei einer internationalen Sportveranstaltung wohl auch von Franzosen erwarten, dass bei den wichtigen Anlaufstellen Personen zur Verfügung stehen, die über passable Englischkenntnisse verfügen. Dem war aber zumindest an diesem Tag nicht so!
Die Halle an sich machte den Eindruck, als ob sie schon bessere Tage gesehen hatte. Eine Folie zur Abdunkelung hing in Fetzen von den Fenstern. An sich war sie aber sehr zweckmäßig und hatte auch genügend Umkleidräume und Toiletten für alle, so dass es diesmal keine Umziehzeitpläne gab. Das war wirklich sehr angenehm. Die eigentliche Lauffläche war auch in Ordnung und unproblematisch. Schade war nur, dass diese komplett ohne Bande und sehr riesig war. Hier fehlte einfach die optische Begrenzung. Das Publikum saß verhältnismäßig weit weg, so dass der Funke bei den Darbietungen einfach nicht überspringen wollte. Ansonsten lief die Meisterschaft reibungslos über die Bühne und war alles in allem ordentlich organisiert.
Ohne Offizielle angereist, mussten wir uns nach vorheriger Absprache um sämtliche offiziellen Termine, wie Auslosung und Trainerbesprechung kümmern. Sicherlich gibt es viele nachvollziehbare Gründe für diesen Umstand, nur sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man in Zukunft auf dieser Meisterschaft eine bessere Vertretung organisiert bekommt, zumal es zahlreiche Themen gab, bei denen nur Offizielle ein Wörtchen mitreden durften.
Beim ersten offiziellen Training war man dann auch gespannt darauf, ob die Musik vollständig und in entsprechender Qualität abgespielt wird. Bei den „Rollerbeasts“ war dies dann prompt nicht so! Es fehlten zahlreiche Geräusche, die nicht zu hören waren. Wir mussten deshalb bis zum Nachmittag warten, um in der Pause die CD noch einmal überprüfen zu lassen. Das führte leider dazu, dass wir erst sehr spät aus der Halle kamen, daher die großen Quartette verpasst haben und so bedauerlicherweise auch nichts über unser einziges deutsches Quartett schreiben können. Das Quartett vom TV Jahn Wolfsburg erreichte unter 15 Startern den 13. Rang, die Medaillen gingen komplett nach Italien.
Am Abend fand die offizielle Eröffnungszeremonie statt. Hier gab es ein Novum: Sie fand OHNE ROLLSCHUHE statt, aus Sicherheitsgründen wie es hieß. Dabei war das eigentliche Sicherheitsrisiko der blaue Teppich, der quer über die Bahn gelegt wurde und über den viele, auch mit Sportschuhen, gestolpert sind. Mittlerweile bin ich seit mehr als 20 Jahren auf internationalen Wettbewerben dabei gewesen und noch nie gab es eine Eröffnungsfeier ohne Rollschuhe. Das war schon ein sehr merkwürdiges Gefühl.
Bevor wir jedoch rollschuhlos die Bahn stürmen durften, gab es eine schöne Eröffnungsshow der französischen Gastgeber und das Maskottchen bewies, dass es sich auch auf Rollschuhen gut bewegen konnte. Die CEPA-Präsidentin Frau Margaret Brooks bat in Ihrer Ansprache in Gedenken an den kürzlich verstorbenen Vizepräsidenten Chris Laheij um eine Schweigeminute. Leider wurde das von vielen Zuschauern nicht verstanden, die zunächst verwirrt klatschten und jubelten, was leider sehr unpassend war.
Im Anschluss an die Eröffnung liefen die großen Showgruppen. Hier gab es ein heißes Rennen der spanischen und italienischen Teams um die Medaillen. Alle anderen Nationen hatten dabei nichts zu melden und bildeten sozusagen lediglich das Rahmenprogramm. Die einzige Frage, die sich stellte war, welcher Stil sich durchsetzen würde: Der Spanische, welcher sich durch läuferisches Können und abstrakte Themen auszeichnet oder der Italienische, welcher durch Einsatz von Masse (bis zu 30 Läufer) und jede Menge Pomp und Glitzer hervorsticht. Einige Teams hatten dermaßen viele Requisiten für ihr Programm dabei, dass man schon die Frage stellen konnte, ob es sich hier um Theater oder um Rollkunstlaufen handeln sollte. Offensichtlich waren auch die Wertungsrichter überfordert. Man sollte doch meinen, dass es bei einem Spielraum von bis zu 10 Punkten möglich sein sollte, die richtige Differenzierung zu finden. Da allerdings schon beim ersten italienischen Team Noten bis 9,9 gezogen wurden, war der Spielraum sofort stark eingeschränkt. Das führte letztendlich zu einem ziemlich unübersichtlichen Platzgerangel. Die Nase vorn hatte schließlich die spanische Gruppe von Olot, die mit dem Thema „Open Step“ verdient gewonnen hat. Sie stellten ein Wasserrohrsystem dar, aus welchem am Ende das hervorbrechende Wasser eine Blume erblühen lässt. Die Silbermedaille ging ebenfalls an Spanien. Das Team von El Masnou zeigte mit „Move me, watch me“ als Augen kostümiert ein tolles Programm. Solche Gruppen muss man einfach gesehen haben. Das kann man nicht beschreiben. Bronze ging an die italienische Mannschaft Portogruaro Divison mit „Happy Birthday“. Hier wurde ein Kindergeburtstag gefeiert. Dabei überzeugten vor allem die original getreuen Legosteine, die über die Bahn geschoben, getragen und gerollt wurden. Platz 4 und 5 ging ebenfalls an Italien und Platz 6 wiederum an Spanien. Damit ging der erste Wettkampftag auch schon zu Ende.
Am Samstag waren dann die Kadetten Quartette an der Reihe, allerdings wie bei den Kadetten Showgruppen auch, ohne deutsche Beteiligung.
Weiter ging es dann mit einiger Verspätung mit den „Kleinen Gruppen“. Hier gingen mit den Deutschen Meistern aus Kiel den „Baltic Stars“ auch die „Rollerbeasts“ an den Start. Glücklicherweise ereilte keinen von uns das Lospech und mit Startnummer 13 und 14 konnten alle Beteiligten zufrieden sein. Die spanischen Titelverteidiger St. Celoni hatten da mehr Pech. Sie mussten als Dritte aufs Parkett. Sie hatten sich etwas ganz besonderes ausgedacht. Sie verarbeiteten den sportlichen Frust von der WM in Freiburg in ihrem Programm und stellten gekonnt und ironisch dar, für welch plumpe Leistungen einige Wertungsrichter viele Punkte geben (Schritte im Stehen in Reih und Glied beispielsweise). Wer Ahnung hatte, fand das einfach genial. Leider fehlte den meisten Wertungsrichtern wohl die Ahnung oder/und zudem auch der Humor. Schade drum. So reichte es nur für Platz 5. Die Leistungen der Wertungsrichter waren u. a. auch ein Thema bei der offiziellen Besprechung am Samstag. Alle waren sich einig, dass es endlich einmal einheitliche Richtlinien für das Werten bei den Showdisziplinen geben muss. Der ehemalige italienische Ausnahmeläufer und heutige Top-Choreograf Sandro Guerra hat zu diesem Thema bereits ein mehrseitiges Konzept verfasst, was eigentlich sehr deutlich die Bewertungskriterien für die Show-Disziplinen aufzeigt. Offensichtlich hat sich jedoch kaum jemand damit beschäftigt. Es wäre schön, wenn Wertungsrichter auch für diese Disziplinen eine Qualifizierung nachweisen müssten. Es hatte wirklich oft den Anschein, dass manche einfach keinen blassen Schimmer von der Materie haben und „nach Nase“ werten. Hierzu sollte man vor allem die führenden Nationen Italien und Spanien ins Boot holen.
Einen kleinen Schock musste auch die Israelische Gruppe aus Holon mit dem Titel „Life Cigarette“ verkraften. Sie brauchten eine kleine Ewigkeit, um versteckt in ihrer Zigarettenschachtel, auf die Bahn geschoben zu werden. Das wurde dem Wertungsgericht zu bunt und so wurde angewiesen die Musik einfach zu starten, obwohl das Team noch nicht in Position stand. Für den Aufmarsch soll es zukünftig eine 25-Sekunden-Regel geben, um solche Situationen zu vermeiden.
Mit Startnummer 13 mussten dann als erstes deutsches Team die Rollerbeasts mit „8 Reasons to live“ auf dem Parkett antreten. Direkt im Anschluss waren dann die „Baltic Stars“ mit „Human Machine“ dran. Nach der Wertung hieß es abwarten, welcher Platz letztendlich rauskommt. Die Rollerbeasts belegten Platz 10 und die Baltic Stars Rang 13 bei 19 Gruppen insgesamt. Die Kleinen Gruppen waren damit mit Abstand der am stärksten besetzte Wettbewerb. Bleibt abzuwarten, ob der DRIV nun keinen, beide oder einen zur WM nominiert. Die drei ersten Plätze gingen klar an Italien. Gold gewann die Gruppe vom Roma Skating Club mit „Zodiak“, die die zwölf Tierkreiszeichen eindruckvoll darstellten. Silber ging an Portogruaro Division, die als Seelöwen mit „Colony in the Bering Sea“ beeindruckten. Bronze gewann Artistico Malo mit dem Thema „Cain, Abel“. Falls sich jetzt jemand wundert, dass ich nicht mehr zu den Leistungen der Deutschen Teilnehmer bei den „Kleinen Gruppen“ schreibe, möchte ich anfügen, dass es schwierig ist, einen Bericht über sich selber zu verfassen. Hinzu kommt, dass man viele Darbietungen aus dem eigenen Wettbewerb auch nicht verfolgen kann.
Bei der anschließenden Siegerehrung hatte man dann allerdings das Gefühl, die Veranstalter mussten die verlorene Zeit wieder aufholen. Kaum auf dem Treppchen wurde für gefühlte 10 Sekunden die jeweilige Nationalhymne (also bis auf eine Ausnahme immer die italienische) gespielt. Das war, gelinde gesagt, eine Frechheit. Wenn man als Sportler schon ganz oben auf dem Treppchen steht, und aufgrund der gezeigten Leistung die Nationalhymne gespielt wird, sollte doch wenigstens eine Strophe durchgehalten werden. Schließlich soll man ja für seine Leistung geehrt werden. Die Italiener ließen sich das auch nicht gefallen und sangen einfach lauthals weiter, rhythmisches Getrampel an der passenden Stelle eingeschlossen. Richtig so!
Die Abschlusszeremonie fand dann, oh Wunder, doch mit Rollschuhen statt, auch wieder aus Sicherheitsgründen (diesmal mit der Begründung der vielen Zuschauer auf der Tribüne).
Abschließend bleibt festzustellen, dass die Italiener und Spanier sich im Showbereich mächtig ins Zeug legen und von Ihren Verbänden auch dementsprechend unterstützt werden. Nach neuesten Gerüchten ist Spanien ab 2011 auch bei den Formationen und Quartetten mit von der Partie. National läuft dort gerade eine Testphase. Dort scheint es einen unerschöpflichen Fundus an Läufern zu geben, die sich alle darum reißen, um bei einem der Teams mit dabei sein zu dürfen. In Deutschland weiß man die Show-Disziplinen vielleicht nicht richtig einzuordnen. Schade, der Zug scheint langsam uneinholbar abgefahren zu sein.
Nicht nur die Showgruppen in Deutschland haben Probleme Nachwuchs zu finden, auch bei den Formationen wird es offensichtlich immer schwieriger, geeignete Läufer zu finden bzw. die jetzigen bei der Stange zu halten. Bleibt zu hoffen, dass dem DRIV hier keine wichtige Entwicklung entgeht.
Bronze für das Dream Team - Fast alle Medaillen für Italien Die einzige Medaille für die deutschen Starter bei der EM gewann das Dream-Team im Formationswettbewerb. Knapp an einer Medaille vorbei liefen bei den Junioren-Formationen die United-Skaters, das Junior-Dream-Team belegte Rang 7. Das einzige deutsche Quartett vom TV Jahn Wolfsburg belegte den 13. Platz. Den Wettbewerb der Kleinen Gruppen beendeten die Rollerbeasts auf Platz 10 und die Gruppe des Kieler REV/REG Kiel auf Platz 13. Mit Ausnahme der Grossen Gruppen (Gold und Silber für Spanien) und zwei Bronzemedaillen für Israel gingen fast alle Medaillen nach Italien. Ein ausführlicher Bericht folgt.
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