Der diesjährige Europa-Cup war nicht wie so oft in den Vorjahren in Solotanz- und Kunstlauftage aufgeteilt, sondern die Wettbewerbe fanden meist abwechselnd statt. Innerhalb der deutschen Mannschaft herrschte eine ausgesprochen gute Stimmung und auch die Kunstläufer und deren Trainer begeisterten sich ob der dargebotenenen Leistungen einiger Solotänzer für diese Sportart.
Bei den Minis ging Sina Vesper (Wuppertal) an den Start. Dieser Wettbewerb findet ohne italienische Beteiligung statt und Sina rechnete sich zu Recht - Chancen auf einen der ganz vorderen Plätze aus. Doch am Ende des ersten Pflichttanzes platzte dieser Traum, da sie sich bei einem der letzten Schritte verhakte und stürzte. Der Rhythmo Blues lief gut und Sina konnte immerhin den vierten Platz erringen. Ohne Sturz wäre es auf alle Fälle ein Treppchenplatz gewesen.
Anna Sofia Schoch (Freiburg) vertrat die deutschen Farben als einzige in der Klasse Espoirs. Die geforderten Pflichttänze Denver Shuffle und Tudor Waltz zeigte sie solide und belegte in dem vierzehnköpfigen Teilnehmerfeld den zwölften Platz. Ebenfalls aus Freiburg ging Nanni Schäffer in dem Wettbewerb Cadetten an den Start. Sie zeigte sich sowohl im Ausdruck als auch technisch gegenüber dem Vorjahr sehr verbessert und belegte nach den Pflichttänzen einen guten siebten Platz. Der OSP zum Rhumba Rhythmus gelang ihr nicht ganz so überzeugend wie den vor ihr platzierten Läuferinnen und einer weiteren Französin, so dass sie im Endergebnis leider einen Platz verlor und achte wurde. Trotzdem ein insgesamt guter Wettkampf von Nanni.
Eines der stärksten Teilnehmerfelder hinsichtlich der Leistungsdichte war das der Solotänzer in der Kategorie Jugend. Und wie so oft, wenn dies der Fall ist, sind die Entscheidungen der Wertungsrichter nicht immer nachvollziehbar. Für den DRIV starteten Annika Gielnik (Einbeck) und Vanessa Rohrmoser (Delmenhorst). Die Präsentation ihres ersten Pflichttanzes war nicht ausreichend, um mit den Italienerinnen, Französinnen und sogar mit den Engländerinnen mithalten zu können und sie bekamen deshalb für vergleichbare technische Leistungen deutlich schlechtere Wertungen. Bei ihrem zweiten Pflichttanz, dem Imperial Tango, stimmte jedoch beides, und sie liefen im Gegensatz zu den Engländerinnen ein richtiges Spurenbild. Das wurde jedoch nicht honoriert und sie landeten auf den Plätzen 9 (Vanessa) und 11 (Annika). Zwei Italienerinnen, die im zweiten Pflichttanz erstaunliche Schwächen zeigten, fanden sich auf den Plätzen zwei und vier wieder.
Dieses Pflichttanzergebnis bedeutete die erste Einlaufgruppe für die Samba. Annika gelang diese leider etwas langsam und gehemmt, so dass der Wettbewerb für sie auf dem dreizehnten Platz endete. Vanessa war in der Lage ihre Samba ansprechend zu interpretieren, konnte sich mit einem sechsten Platz im OSP aber leider im Gesamtergebnis nicht verbessern.
Bei den Junioren wurden in diesen Jahr die Pflichttänze Rocker Foxtrott und Association Walzer gelaufen. Der Foxtrott gelang Kim Julia Jensen (Delmenhorst) so gut wie noch nie in dieser Saison und sie interpretierte den Charakter des Tanzes besonders gut. Die anschließenden Wertungen waren jedoch etwas enttäuschend, da sie klar als siebte eingestuft wurde. Der Walzer änderte an dieser Platzierung nichts mehr. In der Kür musste Kim Julia in der ersten Startgruppe des zwölfköpfigen Teilnehmerfeldes laufen und präsentierte ihre Kür zu Christina Aguilera gewohnt sicher und ausdrucksstark, doch auch da war eine Verbesserung nicht mehr möglich, so dass sie den Wettbewerb als siebte beendete. Positiv daran war, dass dieser Platz ihr ganz sicher war und sie eine Klasse besser war als die fünf nachfolgend platzierten Läuferinnen.
Bei den Senioren gingen Jasmina Nonkovic (Kiel) und Anne Gielnik (Einbeck) in einem dreizehnköpfigen Feld an den Start. Jasmina lief beide Pflichttänze kantenrein und schwungvoll, wobei ihr der Starlight Walzer noch etwas besser liegt und sie konnte sich zum ersten Mal auf einem Europa-Cup als achte platzieren. Ein schöner Erfolg! Anne präsentierte beide Tänze sehr schön im Ausdruck und machte beim Einlaufen einen sehr guten Eindruck. Beim Italian Foxtrott gelangen ihr dann beim Vorlaufen die Dreier nicht ganz so sauber, der Walzer lief aber auch bei ihr besser und sie beendete den Pflichttanzwettbewerb mit dem elften Platz. In ihrer Kür ging sie wieder ganz auf und interpretierte die Musik sehr passend. Unverständlich warum sie sich bei den Wertungsrichtern gegen die biedere und langweilige Kür der vor ihr liegenden Französin nicht durchsetzen konnte! Jasmina lief ihre Kür zu klassischen Klängen noch einmal verbessert gegenüber der Norddeutschen Meisterschaft und konnte somit den achten Platz auch im Gesamtklassement verteidigen.
Der Europa-Cup 2008 war im Bereich des Solotanzens ein Wettbewerb auf einem sehr hohen Niveau. Besonders die Läuferinnen und Läufer aus Italien und Portugal zeigten begeisternde Leistungen, die nicht nur eine Werbung für das Solotanzen waren, sondern für die Sportart Rollkunstlauf.
Die Deutschen sind technisch auf dem besten Wege, doch in der Präsentation muss weiterhin alles versucht werden, viel mehr aus sich herauszukommen und die Charakter der verschiedenen Musiken noch genauer zu interpretieren.
In den Kunstlauf-Wettbewerben mußten die deutschen Teilnehmer meist die Dominanz der Läuferinnen und Läufer aus Italien, Slowenien und Spanien anerkennen. Es gab aber auch einige Lichtblicke und insgesamt vier Medaillen für das deutsche Team. In der Kategorie Minis Jungen waren Tim Jendricke und Nicolas Bühler (beide aus Freiburg) erstmals bei einem internationalen Wettbewerb am Start. Unter 6 Teilnehmern gelang Tim mit seiner schwungvollen Kür ein knapper Sieg, sodass bei den Siegerehrungen auch einmal die deutsche Nationalhymne zu hören war. Die Bronzemedaille ging an Nicolas Bühler. Die deutschen Mädchen in der Kategorie Minis belegten die Plätze 5 (Alina Werner), 7 (Jessica Ahrens) und 10 (Jennifer Garcia Melian).
Die weiteren Medaillen für das deutsche Team gewanne Luke Tomkowiak mit Bronze bei den Cadetten Jungen und Viviana Iparraguirre De Las Casa (Silber in der Inline Artistic).
In der Kategorie Espoirs Mädchen lagen 7 Läuferinnen aus Slowenien, Portugal und Spanien vor der besten deutschen Teilnehmerin Nathalie Wunder auf Rang 8. Saskia Schmidt und Daniela Aladi erliefen sich unter 20 Teilnehmerinnen die Plätze 10 bzw. 13.
Bei den Cadetten Mädchen schien der Start von Mila Wolf zunächst unter keinem guten Stern zu stehen, denn ihre Startmeldung war wohl bei der CEPA nicht angekommen. So musste sie als erste Läuferin in der Kurzkür an den Start gehen, was sich mit Platz 3 aber danach nicht als Nachteil herausstellte. Leider musste sie in der Kür noch zwei Läuferinnen aus Italien und Spanien an sich vorbeiziehen lassen, aber der 6. Platz unter 15 Starterinnen kann durchaus als Erfolg bewertet werden. Yvonne Kratsch und Danila Lüthy belegten die Plätze 9 und 13.
Mit großen Erwartungen war auch Luisa Stättner in den Wettbewerb der Jugend Damen gestartet. Nach der Kurzkür lag sie als beste deutsche Läuferin auf Platz 7, mußte aber leider nach dem Kürprogramm noch zwei Plätze abgeben und konnte sich auf Rang 9 vor Sandrine Reissig platzieren.
Insgesamt wurde bei diesem Europacup in den Kunstlauf-Wettbewerben deutlich, dass nicht nur die Sportler aus Italien, Spanien und Slowenien weiterhin deutlich das Niveau bestimmen, sondern dass besonders die Franzosen einen deutlichen Leistungssprung gemacht haben und sich in einigen Kategorien bereits vor den deutschen Teilnehmerinnen platzieren konnten.